Unser Angebot
Haus Kykerweg • Kinder- und Jugendhilfe

Im Haus Kykerweg werden Kinder und Jugendliche betreut, deren Gefühlsleben und deren Verhaltensweisen durch traumatische Erlebnisse, Konflikte zwischen Eltern, inkonsistentes Erziehungsverhalten, Vernachlässigung oder soziale Isolation geprägt sind. Wie die Resilienzforschung zeigt, müssen derartige Erlebnisse und Erfahrungen als Risikofaktoren angesehen werden, die einer Entwicklung von Kompetenzen und einer individuellen Persönlichkeit im Wege stehen. Wie die Resilienzforschung weiter belegt, kann die Wirksamkeit derartiger Risikofaktoren nur dadurch reduziert werden, dass die Kinder durch Förderung von Schutzfaktoren Erfahrungen in Bezug auf Selbstwirksamkeit, Selbstvertrauen und Selbstverantwortlichkeit erwerben, so dass sie sich im Leben eigenverantwortlich bewähren können.

Die Betreuungsarbeit im Haus Kykerweg basiert auf den Ergebnissen der Resilienzforschung (u.a. Corinna Wunstmann (2006). Das Konzept der Resilienz und seine Bedeutung für das pädagogische Handeln; Rosemarie Welter-Enderlin, Bruno Hildenbrand (2008) Resilienz - Gedeihen trotz widriger Umstände; Wolfgang Jade (2008) Kinder für die Krise stärken; Martin Schröder (2009) Die Persönlichkeit von Pflegekindern stärken).

Betreuungsperspektive.
Die Betreuungsperspektive im Haus Kykerweg umfasst die Förderung verschiedener Schutzfaktoren, um die Wirksamkeit der Risikofaktoren der Kinder und Jugendlichen zu mindern und andere Erfahrungsräume zu öffnen:

  • Sicherstellung von Geborgenheit und Vertrautheit durch professionell fundierte Betreuung, Förderung und Zuwendung in einem gemeinschaftlich organisierten Setting,
  • Vermittlung von Erfolgserlebnissen zur Stärkung der Selbstwirksamkeit,
  • Aufarbeitung möglicher Wirkfaktoren bei Misserfolgserlebnissen,
  • Förderung der Selbstkompetenz und Eigenverantwortung im Alltag,
  • Einübung von sozialen Regeln und Grundhaltungen wie Verbindlichkeit von Absprachen, Pünktlichkeit, Rücksichtnahme, Interessenausgleich, Toleranz usw.,
  • Vermittlung von Resilienz für Bewältigungsverhalten in Konflikten und Aushalten von Belastungssituationen,
  • Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit, insbesondere Verbalisierung von Gefühlen und Bedürfnissen, Anderen zuhören zu können,
  • Aufbau sozialer Kompetenz durch Vermittlung und Erörterung von Aufenthalten in anderen Gemeinschaften, Integration ins soziale Umfeld der Einrichtung,
  • Anregung zur Bereitschaft für Versöhnung mit den Eltern.

Konkrete Handlungsansätze zur Förderung von Schutzfaktoren.
Zur Förderung der vorgenannten Schutzfaktoren werden im Haus Kykerweg folgende, sich wechselseitig ergänzende Handlungsansätze praktiziert:

  • Gesprächsrunden beim Mittags- und Abendessen, bei denen die Kinder und Jugendlichen ihr Thema wählen können,
  • Erörterung von Erlebnissen bei Besuchen mit Eltern und Verwandten,
  • Diskussion über Inhalte von Fernsehsendungen und Büchern,
  • Einführung in Gemeinschaftsdiensten, Pflichten und Ämter im Haushaltsalltag.
  • Lebenspraktische Förderung (Verkehrserziehung, Kochen usw.),
  • Begleitung und Kontrolle der Wahrnehmung von Arztbesuchen, Untersuchungen usw. Kontrolle von Medikamentenverordnungen,
  • Umgang mit Geldmitteln und Sachwerten,
  • individuelle schulische Förderung (Begleitung bei Hausaufgaben, zusätzlicher Förderunterricht bei Bedarf),
  • Intensive Begleitung des Regelschulbesuches, enge Kontakte zu Lehrern und der Schulleitung,
  • Sofortige Intervention bei Problemen in der Schule,
  • Intensive Förderung durch tägliche individuelle Hausaufgabenbetreuung; zusätzlicher Förderunterricht,
  • Teilnahme an Elternabenden und Fachkonferenzen der Schulen,
  • Intensive Begleitung bei Verfahren, Gutachten,
  • Vermittlung von Therapieplätzen, Begleitung des therapeutischen Prozesses, intensiver Kontakt zum Therapeuten/in,
  • Gesundheitsfürsorge,
  • Gesundheitserziehung, Körperpflege, Hygiene und Sexualaufklärung,
  • durch Kinder und Jugendliche mitbestimmte Freizeitgestaltung für Aufenthalte in Spielgemeinschaften und Wochenendausfahrten,
  • Schaffen erlebnispädagogischer Situationen wie Umgang mit Haustieren, Ausfahrten zum Angeln und Klettern, gemeinsame längere Ferienaufenthalte im Ausland.

Die bisherige Betreuungsarbeit im Haus Kykerweg zeigt, dass durch die hier aufgeführte Betreuungsperspektive aus geeigneten Schutzfaktoren und entsprechenden Handlungsansätzen die Belastung der Kinder und Jugendlichen mit Risikofaktoren wesentlich gemindert werden konnte. Ihr zunächst oftmals ängstliches und zeitweilig aufgebrachtes Verhalten konnte zurückgedrängt werden. Sie wurden durch die intensive Kommunikation in der Gemeinschaft offener für Gespräche, auch über eigene Bedürfnisse.
Ihr zunächst desorientiertes Verhalten löste sich auf. Durch nach und nach aktives Lernverhalten haben sie individuelle Interessen entwickelt. Im sozialen Umfeld ist es ihnen zunehmend gelungen, zu kooperieren und die Perspektiven Anderer zu verstehen.
Die Schwerpunkte der Betreuungsarbeit, Resilienz, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz zu fördern, haben sich bewährt.
Durch diese Erfahrungen ist die sozialpädagogischen Lebensgemeinschaft befähigt, auch in Zukunft qualitativ hochwertige Betreuungsarbeit anzubieten.

qualitativ hochwertige Betreuungsarbeit anzubieten.